DIE MAGIE SPÜREN
DIE MAGIE SPÜREN

Fritz Fenzl
Wie auch Menschen sich mögen oder unsympathisch finden, gibt es Plätze, die einen magisch anziehen oder abstoßen. Wer besonders feinfühlig ist, kann kraftvolle Plätze sogar körperlich erspüren.
Wasseradern schaffen energiereiche Plätze
Fritz Fenzl zählt dazu: Wie jeder andere Wetterfühlige auch, der, bevor Schnee oder Regen fallen, ein Ziehen in den Gliedern bemerkt oder Kopfweh bekommt, kribbelt es an besonders kraftvollen Plätzen. Inspiriert durch jahrelange Recherchen, Quellenstudium, und nicht zuletzt aufgrund zahlloser Gespräche mit dem mittlerweile verstorbenen Benediktinerpater Frumentius Renner aus dem Kloster St. Ottilien verfasste er Bücher, hält Vorträge und bietet Wanderungen zu magischen Plätzen in und um München an.
Nicht wenige halten Kraftorte für Hokuspokus, Zauberei oder esoterischen Humbug. Doch es gibt sie, die natürlichen Energiezonen, wie die berühmte Schweizer Geomantin Blanche Merz einst herausfand. Die Gründerin des Forschungsinstituts für Geobiologie im Château Chardonne in Lausanne machte als Dozentin an mehreren ausländischen Forschungsinstituten die Geobiologie in aller Welt bekannt.
„Ja, die Erde ist überzogen von einem Gitternetz der Kraftlinien – meist Wasser, das sichtbar oder auch unterirdisch fließt und diese Orte mit Energie auflädt“, erklärt Fenzl weiter. Doch sollte man „diese Kräfte auch als natürlich belassen, und nicht plötzlich göttlich überfrachten“, warnt Paul Schäfersküpper, Dominikanerpater an der Theatinerkirche in München und Fachbereichsleiter für Tourismus und Kurseelsorge.
Wer magische Plätze aufsucht, sollte in erster Linie seine Sinne öffnen – und nicht enttäuscht sein, wenn kein Kribbeln oder ähnliches zu spüren ist. Schließlich hat nicht jeder Mensch das feine Gespür für die energiereichen Plätze, um die sich nicht selten jahrhundertealte Legenden ranken. Wie um den in diesen Tagen festlich geschmückten Münchner Liebfrauen-Dom. Generationen von Schulkindern lernen die Sage vom Teufelstritt. „Nicht umsonst künden die Erzählungen, die vom Bau des Münchner Doms berichten, von Kräften, die verborgen bleiben sollten“, meint Fenzl.
Der Teufel hat danach nämlich beim Bau des Domes geholfen. Zum Dank ist ihm die Seele des Baumeisters versprochen worden. Er bekommt sie nicht und fühlt sich daraufhin betrogen. Aus diesem Grund stampft er mit seinem Fuß auf und hinterlässt den bis heute sichtbaren Abdruck unter der Orgelempore. Bei einer anderen Sage mag auch einem Ungläubigen ein Schauer durchlaufen, wenn er die Frauenkirche umrundet: Während sich ein paar Meter weiter kein Lüfterl regt, ist es in Dom-Nähe meist sehr zugig. Warum? Angeblich wegen der Winde, die Luzifer in seiner Wut zurückgelassen hat!
Gerade Kirchen verströmen zur Weihnachtszeit eine Magie. „Sie bieten Raum zur Konzentration und zum Gebet“, soDominikanerpaterPaul. Oft sind es aber auch uralte Versammlungsstätten auf dem Land, die kraftspendend wirken. So befindet sich mit der Birg ein Druidenort bei Hohenschäftlarn: Die Birg ist eine keltische Wehranlage samt Wällen am Isarhochufer. Bis heute sind die Rätsel um dieses Areal und die darin befindlichen Hügelgräber nicht ganz gelüftet. „Bekannt ist nur, dass die Birg auf dem Jakobsweg liegt und Pilger von Kraftquellen schwärmen, die zum Verweilen und Meditieren einladen“, weiß Fenzl.
Ortsbesichtigung nur bei stabilem Kreislauf
Auch um die Birg rankt sich eine Sage: So bewohnte der tyrannische Raubritter Sachsenhauser dort eine Burg. Doch konnte die Festung nicht eingenommen werden, da sie einen Brunnen besaß. Eine Hexe wusste Rat: Ein Pferd sollte, nahezu ans Verdursten gebracht, nach der unterirdischen Quelle suchen, die die Burg versorgte. Und siehe da! Die Wasserader wurde gefunden und Gift hineingestreut. Der Sachsenhauser gab auf und verfluchte das Weib. Seitdem geht sie in der Region um.
Für einen eher liebenswerten Kraftort hält Fenzl die Ulrichskapelle am Waldrand bei Eresing (Lkr. Landsberg/Lech). „Frömmigkeit verbindet sich hier wahrhaftig mit Poesie; das Kapellchen lacht den Benutzer des dort zu findenden Heilwassers regelrecht an“, schwärmt der ehemalige Leiter der Monacensia und der Handschriftensammlung der Stadt München. Die Legende erzählt, dass sich der Namensstifter des Kirchleins dort gelabt und zum Dank Quelle und Ort gesegnet habe.
Viele christlich geprägte Schauplätze waren ursprünglich keltische Kultund Opferstätten, und wurden nach Fenzl verchristlicht: So finden sich dort zur Erinnerung meist Marterl, Wegkreuze, eine Kapelle oder gar eine Kirche. Als wahrhaft magischer Platz gilt seit Urzeiten übrigens Wessobrunn (Lkr. Weilheim-Schongau), in dessen Gründungslegende bereits erklärt wird, dass der Boden samt der sogenannten Tassilolinde heilig ist. Ein Ort mit ungewöhnlich starker Kraft- Ausstrahlung, wie Fenzl meint. Einen Ausflug dorthin empfiehlt der Experte deshalb nur Leuten mit stabilem Kreislauf und guter seelischer Verfassung . . .
von Christine Waldhauser-Künlen
Aus Münchner Merkur vom 23. Dezember 2006
Buchtipps
1. Magische Kirchen in München. Von Fritz Fenzl. Stiebner Verlag, 9,80 Euro.
2. Magische Orte in Bayern. Von Fritz Fenzl. Rosenheimer Verlag, 15,50 Euro.
